Demenzseelsorge

"Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus, flog durch die stillen Lande, als flöge sie nach Haus".


Herzlich willkommen!

Vor einiger Zeit war ich in eine Familie eingeladen, die aus Eltern, zwei Kindern und dem Vater meiner Gastgeberin bestand. Der alte Herr, der sehr viele Jahre als Lehrer tätig war und dem besonders die Lyrik am Herzen gelegen hatte, war schwer an Alzheimer erkrankt. Jetzt redete er schon lange nicht mehr, und wenn, dann brachte er kaum einen zusammenhängenden Satz heraus. Aber noch immer saß er gern mit einem Buch im Sessel, auch, wenn es nun immer dasselbe Buch war.

Nach dem Abendessen stand ich mit dem alten Herrn schweigend am Fenster. Wir sahen hinaus in der ruhigen Garten, auf den kleinen Teich, in dem sich der Mond spiegelte, und ich fühle mich von diesem Augenblick berührt.

"Was für ein schöner Abend," dachte ich. Und da fing der alte Herr neben mir an, leise, wie zu sich selbst, eines meiner liebsten Gedichte zu sprechen:

 

"Es war, als hätt' der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt'.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus."

(J. von Eichendorff)

 

Ich sprach es mit ihm, und seine Tochter, die zu uns getreten war, reihte sich auch ein, und ihre Hand suchte die Hand ihres Vaters. "...als flöge sie nach Haus..." flüsterte sie am Ende noch einmal, und dann küsste sie ihren Vater, und er berührte seine Tochter sacht an der Wange.

Gesehen, gehört, verstanden, berührt

Wie man Menschen mit Demenz seelsorglich begleitet 

 

Demenz verändert die Lebensgeschichte eines Menschen, aber sie löscht sie nicht vollständig aus.

Im Gegenteil: Die eigene Geschichte, das erlebte Leben bleibt für die meisten Menschen mit Demenz ein Anker der Identität. Vertraute Gegenstände, Worte, Bilder, Handlungen - alles kann helfen, sich selbst für einen Augenblick wieder wahrzunehmen. Das gilt auch für die Art, wie ein Mensch in seinem bisherigen Leben Glauben erfahren und praktiziert hat. Manche haben sich viele Jahre lang in ihrer Kirchengemeinde engagiert, hatten eine lebendige Gottesbeziehung, religiöse Gewohnheiten und Rituale wie Gebet, Gottesdienst, Abendmahl. In der fortschreitenden Orientierungslosigkeit der Demenz können gerade die vertrauten Rituale und Gewohnheiten in diesem Bereich Halt geben. Und selbst, wenn ein Mensch nicht mehr in der Lage ist, aktiv einen Bezug auf Gott zu nehmen, ist seine Seele nicht tot und unempfänglich.

Unser Leben ist mehr als Vernunft.

Unser Glaube ist viel mehr als die Fähigkeit, ein Gebet sprechen oder einer Predigt bewusst folgen zu können

In einer Seminarreihe erlernen sie die Grundlagen eines seelsorglichen Umgangs mit Menschen mit Demenz. 

Diese Reihe wird fortgesetzt und jährlich durch neue Angebote ergänzt.


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